106 - Verwoben. Geschichten in der Grenzregion

Das Projektseminar war als Kooperationsveranstaltung des ISGV und der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Ira Spieker) mit der Brücke|Most-Stiftung Dresden (Susanne Gärtner) angelegt. Von Juni 2016 bis August 2017 beschäftigten sich zwei studentische Gruppen (Institut für Volkskunde/Kulturgeschichte, Jena, und Hochschule für Bildende Künste, Dresden) mit „Lost Places“ und ihrer aktuellen Konjunktur: als Monumente von Erinnerung und Geschichte(n), als sichtbare Symbole von wirtschaftlichem Niedergang und Bevölkerungsrückgang oder schlicht als Objekte ästhetisierenden Bildsehens. Die dreisemestrige Veranstaltung näherte sich diesem Phänomen im Dreiländereck an, einer historisch eng verflochtenen Region. Die thematische Klammer bildete die Textilindustrie, von deren ehemaliger Bedeutung eine Vielzahl von Manufakturen und Fabrikruinen zeugen. Den inhaltlichen Bezugsrahmen bot die Auseinandersetzung mit „Lost Places“ – Orte im vermeintlichen Niemandsland, die Spuren der Geschichte in der Gegenwart abbilden und die zugleich als materielle und ideelle Quellen gelesen werden wie auch als Projektionsflächen dienen können. Das Vorgehen war multiperspektivisch: Die Studierenden der Kulturanthropologie bzw. der Bildenden Künste wurden begleitet von einer (Textil-)Künstlerin und einem Fotografen. Unterschiedliche methodische Zugänge wurden so miteinander in Beziehung gesetzt werden; auf dieser Basis fand eine wissenschaftliche und gestaltende Auseinandersetzung mit Grenzen und Räumen, mit Geschichte(n), Erinnerungen und deren Aneignung statt. Fotoserien wurden erstellt, Zeitzeugengespräche mit Bewohnern und Bewohnerinnen geführt. Die Kunststudierenden setzten ihre Vorarbeiten in Plastiken, Zeichnungen und Installationen um.
Die dreisemestrige Lehrveranstaltung „Lost Places? Erinnerungskulturelle Konzepte im deutsch-tschechisch-polnischen Grenzraum“ in Jena bildete die Grundlage für die Umsetzung der Ergebnisse in die Ausstellung „Verwoben. Geschichten in der Grenzregion“.
Das Projekt war inhaltlich und organisatorisch im ISGV an das Projekt „Kontaktzonen. Kulturelle Praktiken im deutsch-tschechisch-polnischen Grenzraum“ angeschlossen.

Stationen der Ausstellung:
- Deutsches Damast- und Frottiermuseum in Großschönau (Juni bis Oktober 2017)
- „Haus auf der Mauer“ . Internationales Centrum in Jena (Oktober 2017 bis Januar 2018)
- Kulturzentrum der Stadt Varnsdorf (CZ), (März / April 2018).

Titel der übergeordneten Veranstaltungsreihe: „Lost Places and Placed Histories. Erinnerungskonzepte im deutsch-polnisch-tschechischen Grenzraum“.

Namen die mit zwei Sternchen (**) versehen sind, sind unbekannt und wurden nachträglich vergeben.
Namen, die mit einem Sternchen (*) versehen sind, sind Pseudonyme.